Digitaler Zwilling und Process Mining in der Intralogistik

Digitaler Zwilling und Process Mining in der Intralogistik

In vielen Unternehmen funktionieren Lager, innerbetriebliche Transporte und Kommissionierung im Tagesgeschäft, ohne dass ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit vollständig sichtbar wird. Aufträge werden bearbeitet, Material bewegt und Bestände gebucht. Trotzdem bleibt häufig unklar, an welchen Stellen Wartezeiten entstehen, welche Transportwege unnötig lang sind oder warum sich bestimmte Aufträge regelmäßig verzögern. Der Grund liegt oft in fehlenden oder nicht zusammengeführten Prozessdaten.

Gerade in komplexen Produktions- und Logistikstrukturen reicht eine Momentaufnahme aus dem ERP oder Lagerverwaltungssystem deshalb nicht aus. Entscheidend ist, wie Prozesse tatsächlich ablaufen. Hier setzen Process Mining und der digitale Zwilling der Intralogistik an.

Warum Prozessdaten allein noch keine Transparenz schaffen

Ein typischer innerbetrieblicher Prozess besteht aus zahlreichen einzelnen Bewegungen. Material wird aus dem Lager entnommen, zu einer Produktionslinie transportiert, dort verarbeitet und anschließend erneut eingelagert oder weitertransportiert. Zusätzlich entstehen Wartezeiten, Umlagerungen, Rückbuchungen und Sondertransporte.

Werden diese Vorgänge lediglich über manuelle Listen oder einzelne Systembuchungen dokumentiert, fehlt häufig der Zusammenhang zwischen den Ereignissen. Das erschwert die Ursachenanalyse. Eine verspätete Materialbereitstellung kann beispielsweise durch einen fehlenden Bestand, einen nicht verfügbaren Mitarbeiter, einen ungeplanten Transport oder eine ungünstige Reihenfolge der Aufträge entstehen.

Die Konsequenz sind längere Durchlaufzeiten, unnötige Transportbewegungen und eine hohe Abhängigkeit von Erfahrungswissen. Gleichzeitig können sich Prozessprobleme lange halten, weil nicht eindeutig erkennbar ist, wo im Materialfluss die Ursache liegt.

Process Mining macht reale Abläufe sichtbar

Der Lösungsansatz besteht darin, Prozessereignisse systematisch zu erfassen und miteinander zu verknüpfen. Ein Event Log bildet dabei einzelne Prozessschritte mit Informationen wie Auftrag, Material, Zeitpunkt, Mitarbeiter, Lagerort oder Prozessstatus ab.

Process Mining nutzt diese Daten, um den tatsächlich ausgeführten Prozess zu rekonstruieren. Unternehmen können dadurch beispielsweise erkennen, wie häufig ein Materialauftrag zwischen verschiedenen Stationen pendelt, wo Aufträge warten oder welche Prozessvarianten besonders häufig auftreten.

Der entscheidende Vorteil liegt im Abgleich von Soll und Ist. Statt lediglich festzustellen, dass ein Auftrag verspätet abgeschlossen wurde, lässt sich untersuchen, welche Ereignisse der Verzögerung vorausgingen. Dadurch wird aus einer reinen Datensammlung eine Grundlage für die Prozessoptimierung.

Der digitale Zwilling verbindet Prozesse und Zustände

Ein digitaler Zwilling erweitert diese Transparenz um ein digitales Abbild der relevanten Objekte und Prozesse. In der Intralogistik können beispielsweise Lagerplätze, Materialien, Transportaufträge, Behälter, Mitarbeiter oder Bewegungen digital abgebildet werden.

Damit entsteht ein konsistentes Modell des Materialflusses. Wird beispielsweise ein Transportauftrag erstellt, kann nachvollziehbar werden, welches Material bewegt werden soll, von welchem Ausgangspunkt der Transport startet, welches Ziel vorgesehen ist und wann die Bewegung tatsächlich ausgeführt wurde.

Der digitale Zwilling liefert damit den Kontext für die Prozessdaten. Process Mining analysiert wiederum die darin enthaltenen Abläufe. Beide Ansätze ergänzen sich: Während der digitale Zwilling den aktuellen und historischen Zustand der Intralogistik beschreibt, hilft Process Mining dabei, Muster, Abweichungen und Engpässe zu erkennen.

Mobile Datenerfassung schafft die notwendige Datenbasis

Damit ein solches Abbild belastbar ist, müssen Prozessereignisse möglichst direkt am Entstehungsort erfasst werden. Mobile Datenerfassung mit MDE-Geräten, Smartphones oder Tablets kann hierfür beispielsweise Barcodes oder QR-Codes nutzen.

Bei einer Materialbewegung wird etwa der Artikel gescannt, der Ausgangsort erfasst und anschließend der Zielort bestätigt. Aus diesen Buchungen entstehen zeitlich und sachlich zuordenbare Prozessereignisse. Medienbrüche und nachträgliche Übertragungen werden reduziert, weil die Informationen unmittelbar während der Bewegung erfasst werden.

Die Technologie erfüllt damit keinen Selbstzweck. Ihr Beitrag besteht darin, aus physischen Materialbewegungen strukturierte digitale Prozessdaten zu erzeugen.

COSYS verbindet Datenerfassung, Intralogistik und Analyse

Die COSYS Intralogistik Plattform kann diesen Ansatz mit mobiler Datenerfassung, zentraler Prozessverwaltung und Business Intelligence verbinden. Bewegungen aus Bereichen wie Lager, Inventur, Lademittelverwaltung oder innerbetrieblichem Transport lassen sich digital erfassen und zentral auswerten.

Auf dieser Datenbasis können Prozessverläufe analysiert und Auffälligkeiten sichtbar gemacht werden. Process Mining unterstützt dabei, tatsächliche Prozessvarianten und wiederkehrende Engpässe zu identifizieren. Der digitale Zwilling kann relevante Objekte, Zustände und Bewegungen im digitalen Prozessmodell zusammenführen.

Über Schnittstellen lassen sich vorhandene Systemlandschaften, beispielsweise ERP- oder andere operative Systeme, einbinden. Dadurch müssen bestehende Systeme nicht zwangsläufig ersetzt werden. Entscheidend ist vielmehr, die relevanten Prozessdaten miteinander zu verknüpfen und für operative sowie analytische Anwendungen nutzbar zu machen.

Von der Prozessanalyse zur kontinuierlichen Optimierung

Der eigentliche Nutzen entsteht, wenn die gewonnenen Erkenntnisse wieder in die operative Prozessgestaltung einfließen. Erkennt Process Mining beispielsweise wiederkehrende Wartezeiten bei Materialtransporten, kann der betroffene Ablauf gezielt untersucht und angepasst werden.

Unternehmen erhalten dadurch eine belastbarere Grundlage für Entscheidungen über Lagerstrategien, Transportabläufe, Ressourceneinsatz und Prozessstandards. Gleichzeitig entsteht eine bessere Nachvollziehbarkeit darüber, wie sich Änderungen auf den tatsächlichen Materialfluss auswirken.

Fazit: Der digitale Zwilling bildet die Intralogistik digital ab, während Process Mining zeigt, wie die Prozesse tatsächlich ablaufen und wo Optimierungspotenzial besteht. Zusammen mit mobiler Datenerfassung entsteht eine Datenbasis, mit der Unternehmen Materialflüsse nicht nur dokumentieren, sondern systematisch analysieren und verbessern können.

Sie möchten Ihre Intralogistik digital erfassen und Prozesse datenbasiert analysieren? Testen Sie die COSYS Demo-Apps im Play Store oder App Store und erfahren Sie, wie sich digitale Prozessdaten in der Praxis erfassen lassen. Für eine individuelle Beratung erreichen Sie COSYS unter +49 5062 900 0 oder per E-Mail an vertrieb@cosys.de.

Über die Cosys Ident GmbH

Die COSYS Ident GmbH mit Sitz in Grasdorf (bei Hildesheim) besteht seit knapp 40 Jahren und ist eines der führenden Systemhäuser im Bereich mobiler Datenerfassungslösungen für Android und Windows. Ein mittelständisches Unternehmen, das seit 1982 die Entwicklung von Identifikationssystemen vorantreibt und heute branchenspezifische Komplettlösungen für nahezu alle gängigen Geschäftsprozesse anbietet. Vom Prozessdesign und der Konzepterstellung, über die Implementierung der Hard- und Software bis hin zum Projektmanagement und maßgeschneiderten Wartungsverträgen, decken wir das komplette Leistungsspektrum der Systementwicklung, Integration und Betreuung ab. Des Weiteren bietet COSYS einen Reparaturservice, WLAN-Funkvermessung, sowie Lösungen für die Bauteil-Rückverfolgung mittels DPM-Codes.

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