KI-Einsatz in deutschen Unternehmen verdoppelt sich binnen eines Jahres auf 41 Prozent — jedes dritte meldet zugleich höhere Kosten als erwartet

KI-Einsatz in deutschen Unternehmen verdoppelt sich binnen eines Jahres auf 41 Prozent — jedes dritte meldet zugleich höhere Kosten als erwartet

Der Einsatz künstlicher Intelligenz in deutschen Unternehmen hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Laut der Untersuchung „Digitalisierung der Wirtschaft 2026“ des Branchenverbands Bitkom nutzen 41 Prozent der Unternehmen entsprechende Anwendungen; im Vorjahr waren es 17 Prozent. Weitere 48 Prozent planen den Einsatz oder diskutieren ihn.

Bemerkenswert ist weniger der Sprung als die Spannweite der Erfahrungen. Für 77 Prozent der bereits nutzenden Unternehmen hat sich die Wettbewerbsposition spürbar verbessert — gleichzeitig berichtet jedes dritte von höheren Kosten als geplant. Wie sich beides in einem konkreten Betrieb auflöst, zeigt sich erst in der Umsetzung; entsprechende Beratungsleistungen rund um KI-Anwendungen setzen genau an dieser Lücke an.

Auffällig ist, dass beide Befunde dieselben Unternehmen betreffen können. Ein verbesserter Wettbewerbsstand und höhere Kosten als geplant schließen sich nicht aus — sie beschreiben unterschiedliche Zeitpunkte desselben Vorhabens.

Der Blick in die Praxis relativiert dabei manche Erwartung. Welche Vorhaben tatsächlich getragen haben und welche nicht, zeigt sich selten in der Planung und fast immer im Betrieb.

Textarbeit dominiert, Datenanalyse bleibt zurück

Die Anwendungsfelder verteilen sich ungleich. Textverarbeitung und Übersetzung nennen 71 Prozent, Marketing und Kommunikation 53 Prozent, Kundenservice 42 Prozent. Datenanalyse folgt mit 31 Prozent deutlich dahinter.

Die Verteilung der Anwendungsfelder bildet dabei Einstiegshürden ab und nicht den Nutzen. Textarbeit lässt sich ohne Anbindung an eigene Systeme erledigen, Datenanalyse nicht. Wo eine Anwendung an Datenbanken, Rechteverwaltung und gepflegte Stammdaten muss, beginnt der Aufwand, der bei einem Drittel der Befragten die Kosten über die Erwartung treibt.

„Die Zahlen, die überraschen, sind nicht die 41 Prozent, sondern die 33. Wer nur das Werkzeug kauft und nicht den Prozess dahinter anfasst, zahlt genau diese Differenz“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Was die Befragung für 2026 ausweist

Laut der Untersuchung des Branchenverbands Bitkom verteilen sich die Werte so:

  • 41 Prozent der Unternehmen setzen KI-Anwendungen ein, nach 17 Prozent im Vorjahr.
  • Weitere 48 Prozent planen den Einsatz oder befinden sich in der Diskussion.
  • Bei 77 Prozent der Nutzenden hat sich die Wettbewerbsposition spürbar verbessert.
  • 33 Prozent berichten von höheren Kosten als erwartet.
  • 19 Prozent haben eigenen Angaben zufolge Stellen abgebaut.
  • Befragt wurden 604 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten.

Der Sprung ist echt, die Reife ist es noch nicht

Eine Verdopplung innerhalb eines Jahres beschreibt Verbreitung, nicht Tiefe. Zwischen einem Betrieb, der Anschreiben formulieren lässt, und einem, der Angebotsprozesse umgestellt hat, liegt derselbe Ja-Wert in der Statistik — und ein Unterschied von Monaten in der Umsetzung.

Der Anteil von 48 Prozent, die planen oder diskutieren, ist deshalb die interessantere Zahl für die kommenden Monate. Er entscheidet, ob aus dem Sprung eine Kurve wird.

Woran sich der nächste Schritt zeigt

Die nächste Ausgabe der Untersuchung erscheint voraussichtlich im Jahr 2027 und wird zeigen, ob die 48 Prozent tatsächlich nachrücken.

Für Unternehmen, die vor der Entscheidung stehen, ist die Reihenfolge aus den Anwendungsfeldern ablesbar: erst dort beginnen, wo keine Anbindung an eigene Systeme nötig ist, und den Aufwand für Datenanalyse getrennt planen. Wer beides in einem Schritt versucht, landet regelmäßig bei den 33 Prozent, für die es teurer wurde als gedacht. Welche Reihenfolge sich in einzelnen Betrieben bewährt hat, lässt sich an dokumentierten Projekten aus der Praxis nachvollziehen.

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