Ein Jahr Inklusionsgesetz im Netz: 14.615 Websites geprüft. Keine einzige voll konform. Keine sichtbare Konsequenz.

Ein Jahr Inklusionsgesetz im Netz: 14.615 Websites geprüft. Keine einzige voll konform. Keine sichtbare Konsequenz.

Ein Jahr nach Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) am 28. Juni 2025 hat sich an der digitalen Barrierefreiheit deutscher Unternehmens-Websites im Kern nichts Substantielles verändert. Das ist das Ergebnis der ersten flächendeckenden Jahresbilanz des Index für digitale Barrierefreiheit (IfDB).

Geprüft wurden 13.902 deutsche Unternehmens-Websites in einer automatisierten Auswertung gegen die WCAG-2.2-AA-Norm. Im direkten Vergleich derselben 11.338 Websites von April bis Juni 2026 verbessern sich 99,6 Prozent um weniger als 2 Punkte. Keine einzige der untersuchten Websites erreicht in der automatisierten Auswertung die volle Punktzahl.

Ein Jahr Gesetz, keine öffentlich kommunizierten Konsequenzen

Das BFSG sieht Bußgelder bis zu 100.000 Euro pro Verstoß vor. Die Marktüberwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit (MLBF) in Magdeburg kann anlasslos prüfen, auf Beschwerden reagieren und Korrekturmaßnahmen anordnen. Öffentlich kommuniziert wurden im ersten Jahr nach Inkrafttreten weder abgeschlossene Bußgeldverfahren noch namentliche Beanstandungen einzelner Unternehmen.

„Ein Gesetz, das nicht durchgesetzt wird, ist eine Empfehlung", sagt Thomas Huhn, Geschäftsführer von accessibleAI. „Wer im ersten Jahr des BFSG keine Maßnahmen ergriffen hat, musste bislang keine sichtbaren Konsequenzen tragen, und genau das zeigen unsere Daten. Rund 13 Millionen Menschen mit einer Beeinträchtigung oder einer Behinderung in Deutschland warten weiter darauf, dass digitale Teilhabe vom Versprechen zur gelebten Praxis wird."

Forderungen für das zweite Jahr

Michael Sindlinger, Technischer Direktor des Barrierefreiheitsindex, sieht für das zweite Jahr nach Inkrafttreten des BFSG drei Prioritäten: "sichtbare Marktüberwachung durch erste öffentlich kommunizierte Verfahren der MLBF, verbindliche Branchen-Benchmarks durch Wirtschafts- und Branchenverbände sowie kontinuierliches Monitoring statt einmaliger Audits."

Über den Index für digitale Barrierefreiheit (IfDB)

Der IfDB analysiert die WCAG-2.2-AA-Konformität deutscher Unternehmens-Websites automatisiert. Die Auswahl der untersuchten Websites basiert auf einer kombinierten Methodik aus öffentlichen Domain-Rankings und Branchen-Repräsentanz, dokumentiert in der Methodik-Publikation. Die Datenbasis umfasst im Juni 2026 13.902 Unternehmen mit Score-Wert, darunter 11.338 mit Vorperioden-Score aus April 2026. Eine vollständige formale WCAG-Konformitätserklärung im Sinne der Norm setzt zusätzlich eine manuelle Prüfung voraus, da automatisierte Werkzeuge nicht alle WCAG-Erfolgskriterien uneingeschränkt zuverlässig prüfen können. Die Zahl der rund 13 Millionen Menschen mit einer Beeinträchtigung oder einer Behinderung bezieht sich auf die Erhebung des Statistischen Bundesamtes (Stand 2024). Die vollständigen Vergleichsdaten, alle Branchenscores und die methodische Dokumentation stehen Journalistinnen und Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

accessibleAI Smart Compliance GmbH ist eine KI-gestützte Compliance-Plattform für digitale Barrierefreiheit mit Sitz in München. Die Software prüft, repariert und überwacht die WCAG-Konformität von Websites automatisiert. Alle Daten werden auf Servern in Deutschland (Frankfurt am Main, ISO 27001) DSGVO-konform verarbeitet.

Über die accessibleAI SmartCompliance GmbH

accessibleAI ist eine KI-gestützte Compliance-Plattform für digitale Barrierefreiheit mit Sitz in München. Die Software erkennt, repariert und überwacht WCAG-Konformität automatisiert — ohne Eingriff in den Quellcode bestehender Websites. Alle Daten werden DSGVO-konform auf deutschen Servern (Frankfurt, ISO 27001) verarbeitet. Das Unternehmen wurde 2025 gegründet und betreibt mit dem Index für digitale Barrierefreiheit (IfDB) das erste unabhängige, datenbasierte Ranking der digitalen Barrierefreiheit deutscher Websites.

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