Risikokapital für Startups steigt im ersten Halbjahr 2026 um 14 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro – die Zahl der Finanzierungsrunden sinkt um 11 Prozent

Risikokapital für Startups steigt im ersten Halbjahr 2026 um 14 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro – die Zahl der Finanzierungsrunden sinkt um 11 Prozent

Mehr Geld für weniger Jungunternehmen: So lässt sich das erste Halbjahr 2026 auf dem deutschen Beteiligungsmarkt zusammenfassen. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hat am 22. Juli 2026 in Stuttgart das Startup-Barometer ihrer Strategieberatung EY-Parthenon für die Monate Januar bis Juni vorgelegt. Laut dieser Auswertung erhielten deutsche Startups knapp 5,3 Milliarden Euro Risikokapital, 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum mit rund 4,6 Milliarden Euro. Die Zahl der Abschlüsse ging dagegen um 11 Prozent auf 354 zurück. Welche Wege einem Gründerteam vor der ersten Runde offenstehen, zeigt ein Vergleich der Finanzierungswege für junge Unternehmen.

Wo das Risikokapital im ersten Halbjahr 2026 angekommen ist

Drei Bundesländer erhielten erstmals gleichzeitig jeweils mehr als eine Milliarde Euro. Nach Angaben von EY-Parthenon floss das meiste Geld nach Berlin, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern. Den Sprung des Südwestens erklärt die Studie mit einem einzigen Abschluss: Neura Robotics aus dem Bereich Hardware und Robotik sammelte rund 1,2 Milliarden Euro ein.

Sechs Bundesländer weist das Startup-Barometer für das erste Halbjahr 2026 mit dreistelligen Millionenbeträgen oder mehr aus:

  • Berlin: fast 1,7 Milliarden Euro (plus 10 Prozent) bei 95 Finanzierungsrunden (minus 30 Prozent).
  • Baden-Württemberg: knapp 1,6 Milliarden Euro (plus 475 Prozent), davon rund 1,2 Milliarden Euro für Neura Robotics.
  • Bayern: mehr als 1,1 Milliarden Euro (minus 46 Prozent) bei 93 Finanzierungsrunden (plus 21 Prozent).
  • Hessen: 239 Millionen Euro (plus 141 Prozent).
  • Brandenburg: 210 Millionen Euro (plus 453 Prozent).
  • Nordrhein-Westfalen: 167 Millionen Euro (minus 58 Prozent) bei 46 Finanzierungsrunden (minus 19 Prozent).

Warum weniger Finanzierungsrunden mehr Geld bewegen

Der Anstieg des Volumens geht auf wenige sehr große Abschlüsse zurück. Laut EY-Parthenon stieg die Zahl der Großinvestitionen mit jeweils mehr als 50 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026 von 15 auf 17. Ihr Anteil am gesamten Investitionsvolumen kletterte im selben Zeitraum von 55 auf 67 Prozent.

Für die übrigen 337 Abschlüsse bleibt damit ein Drittel des Kapitals. Thomas Prüver, Partner bei EY-Parthenon, beschreibt die Folge in der Mitteilung so: Investoren setzten zunehmend auf wenige große Startups und vermeintlich sichere Wetten, junge und kleine Unternehmen hätten im Wettbewerb um Kapital häufig das Nachsehen.

Ein Gründerteam ohne Zugang zu einer solchen Runde muss seine ersten Einnahmen aus dem Produkt selbst holen. Wie sich der Weg dorthin in Etappen aufteilen lässt, beschreibt ein Phasenplan für den ersten Produktstart.

Welche Branchen das Kapital im Jahr 2026 auf sich ziehen

Technikgetriebene Geschäftsmodelle stehen an der Spitze. Nach Angaben von EY-Parthenon erhielt der Bereich Hardware im ersten Halbjahr 2026 mehr als 1,6 Milliarden Euro, gefolgt von Software und Analytik mit mehr als 1,2 Milliarden Euro. Startups aus dem Verteidigungssektor kamen auf 579 Millionen Euro, Gesundheit und Energie lagen jeweils über 450 Millionen Euro.

Der Zuschnitt der Branchen zeigt, wohin der Beteiligungsmarkt im Jahr 2026 blickt. Laut der Studie bleiben künstliche Intelligenz, Verteidigung, Energie und Gesundheitstechnik die Felder, die den Großteil des Kapitals anziehen. Zugleich stehe gerade bei Startups mit Bezug zu künstlicher Intelligenz die Erwartung im Raum, hohe Bewertungen durch die Geschäftsentwicklung zu rechtfertigen.

„Siebzehn Abschlüsse tragen zwei Drittel des Geldes, und 337 teilen sich den Rest. Der Markt belohnt derzeit Größe, nicht Anfang. Wer klein startet, baut die erste Finanzierung besser aus Umsatz und Eigenmitteln auf, statt auf eine Runde zu warten“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Wie sich die zehn größten Abschlüsse des Halbjahres verteilen

Vier der zehn größten Abschlüsse entfielen auf Berlin. Laut dem Startup-Barometer sammelten Stark (500 Millionen Euro), Parloa (299 Millionen Euro), Taktile (94 Millionen Euro) und Flink (86 Millionen Euro) zusammen 979 Millionen Euro ein. Das entspricht 58 Prozent aller Investitionen in Berliner Startups im ersten Halbjahr 2026.

Baden-Württemberg und Bayern sind jeweils zweimal vertreten. Nach Angaben von EY-Parthenon stehen Neura Robotics mit knapp 1,2 Milliarden Euro und Sereact mit 94 Millionen Euro für den Südwesten, Isar Aerospace mit 270 Millionen Euro und RobCo mit 86 Millionen Euro für Bayern. Die Liste vervollständigen Focused Energy aus Hessen mit 205 Millionen Euro und Oviva aus Brandenburg mit 200 Millionen Euro.

Die Konzentration hat eine Kehrseite für die Fläche. Zehn Bundesländer tauchen in der Aufstellung von EY-Parthenon nicht mit dreistelligen Millionenbeträgen auf, und Hessen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen kommen zusammen auf gut 600 Millionen Euro. Ein Standort kann in dieser Zählung binnen eines Halbjahres deutlich zurückfallen, wie das Minus von 46 Prozent in Bayern zeigt – bei gleichzeitig 21 Prozent mehr Finanzierungsrunden.

Die Jahreszahlen zum Beteiligungsmarkt folgen Anfang 2027

Die Halbjahreszahlen sind der letzte Stand vor dem Jahresabschluss. EY-Parthenon veröffentlicht das Startup-Barometer zweimal im Jahr; die Auswertung für das Gesamtjahr 2025 erschien am 19. Januar 2026 und wies für zwölf Monate knapp 8,4 Milliarden Euro bei 716 Finanzierungsrunden aus. Nach diesem Rhythmus ist die Bilanz für das Jahr 2026 Anfang 2027 zu erwarten.

Bis dahin bleibt die Frage offen, ob die zweite Jahreshälfte den Rückgang der Runden bremst. Laut EY-Parthenon ist die Kapitalverfügbarkeit im Vergleich mit den Vereinigten Staaten und Asien weiterhin eine strukturelle Schwäche des Standorts; verschärft werde sie durch die konjunkturelle Lage, hohe Energiekosten und regulatorische Anforderungen. Für Gründerinnen und Gründer im Herbst 2026 zählt deshalb weniger die Summe von 5,3 Milliarden Euro als die Zahl 354: So viele Abschlüsse gab es in sechs Monaten, über alle Branchen und Bundesländer hinweg.

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