
Digitale Bildungswirtschaft: Internationale Lernplattformen erreichen 0,8 Punkte im Branchenklima, Verlagsanbieter rutschen auf minus 0,2
Wie die digitale Bildungswirtschaft ihre eigene Lage einschätzt
Das Branchenklima hat sich gegenüber dem Vorjahr insgesamt aufgehellt. Die Reihe läuft seit dem Jahr 2006, die aktuelle Auswertung ist ihre 20. Ausgabe. Laut dem mmb-Trendmonitor 2025/2026 fällt die Bewertung für vier der fünf Anbietergruppen besser aus als in der Vorjahreserhebung. Eine Ausnahme bilden die traditionellen Anbieter, die seit mehr als zehn Jahren mit Lernsoftware am Markt sind: Ihr Wert sank von 0,9 Punkten im Jahr 2021 auf zuletzt 0,4 Punkte.
Der Grund für diesen Rückgang liegt nach Einschätzung der Befragten weniger im Lernen selbst als in den Werkzeugen. Viele Aufgaben, die früher spezialisierte Lernsoftware erledigte, übernehmen heute allgemeine Sprachmodelle: Lernlektionen formulieren, Lernkarten für die Prüfungsvorbereitung erzeugen, im Dialog Rückfragen beantworten.
„Der Lernmarkt verliert gerade seine eigene Werkzeugkiste. Wenn Lektionstexte und Lernkarten aus allgemeinen Sprachmodellen kommen, verschiebt sich die Wertschöpfung zu Anbietern, die mit Bildung ursprünglich nichts zu tun hatten“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Welche Anbietergruppen die Fachleute wie bewerten
Fünf Anbietergruppen unterscheidet die Trendstudie bei der Frage nach der wirtschaftlichen Lage im digitalen Lernmarkt. Die Mittelwerte reichen von minus zwei für eine sehr negative bis plus zwei für eine sehr positive Einschätzung und beruhen auf 76 bis 77 Antworten:
- Internationale Bildungsplattformen: 0,8 Punkte.
- Anbieter aus dem Bereich der Bildungstechnologie-Startups: 0,6 Punkte.
- Traditionelle Anbieter von Lernsoftware: 0,4 Punkte.
- Etablierte Bildungsanbieter mit hohem Präsenzanteil: minus 0,1 Punkte.
- Lernanbieter mit Herkunft im Verlagswesen: minus 0,2 Punkte.
Wichtiger als der Abstand zwischen den Gruppen ist die Richtung, in die sie zeigen. Für die kommenden drei Jahre erwarten die Befragten laut derselben Auswertung bei den Startups einen Anstieg auf 0,8 Punkte, bei den Verlagsanbietern dagegen einen Rückgang auf minus 0,5 Punkte. Wer sich im Studium auf eine Klausur vorbereitet, findet dazu eine Anleitung zur Vorbereitung auf Prüfungen.
Warum schriftliche Prüfungsformate an Vertrauen verlieren
Schriftliche Arbeiten gelten in der Befragung nicht mehr als verlässlicher Kompetenznachweis. Nach Angaben des mmb Instituts halten die Fachleute Hausarbeiten und Klausuren für nicht mehr vertrauenswürdig, seit Textgeneratoren Entwürfe auf Knopfdruck liefern. Als tragfähiger bewerten sie synchrone Formate, in denen die Prüflinge persönlich erlebt werden: praktische Demonstrationen zuerst, danach mündliche Prüfungen, auf Rang drei die mündliche Onlineprüfung.
Der Preis dafür steht in derselben Auswertung. Synchrone Prüfungen kosten mehr Zeit und verlangen ein aufwendiges Terminmanagement. Laut der Trendstudie sehen zugleich 61 Prozent der Befragten eine Zukunft für Systeme, die eine Prüfung technisch beaufsichtigen.
Was der Lernmarkt für die kommenden drei Jahre erwartet
Lernassistenten führen erstmals die Rangliste der kommerziellen Erwartungen an. Nach Angaben des mmb Instituts nennen 75 Prozent der Befragten diese Anwendungen als kommerziell erfolgversprechend, nach 66 Prozent im Vorjahr. Adaptives Lernen folgt unverändert mit 71 Prozent, während Videotutorials um 19 Prozentpunkte und Anwendungen der erweiterten Realität um 16 Prozentpunkte verlieren.
Für Anbieter von Lernanwendungen ergibt sich daraus eine klare Reihenfolge. Der Sprachassistent wird zur Grundfunktion, die Unterscheidung entsteht daneben: bei der Aufbereitung des Fachstoffs, bei der Prüfungslogik und bei der Frage, wer über die Lerndaten verfügt. Die nächste Ausgabe der Trendstudie ist für das Frühjahr 2027 angekündigt und wird zeigen, ob die Verschiebung zu marktfremden Anbietern anhält.
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