Codequalität unter Druck: Doppelte Codeblöcke steigen seit 2023 um 81 Prozent, während der Anteil der Refaktorierung auf 3,8 Prozent fällt

Codequalität unter Druck: Doppelte Codeblöcke steigen seit 2023 um 81 Prozent, während der Anteil der Refaktorierung auf 3,8 Prozent fällt

Software entsteht schneller als je zuvor, und sie wiederholt sich dabei häufiger. Laut einer Auswertung des Analysedienstes GitClear, die 623 Millionen Codeänderungen umfasst, ist der Anteil doppelter Codeblöcke seit dem Jahr 2023 um 81 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum fiel der Anteil der Refaktorierung — also der nachträglichen Verbesserung bestehenden Codes — von 21 Prozent im Jahr 2022 auf 3,8 Prozent.

Beide Kurven zeigen dasselbe Muster: Es wird mehr geschrieben und weniger aufgeräumt. Die Provimedia GmbH aus Bietigheim-Bissingen hat daraus die Konsequenz gezogen und mit Code Guardian ein Prüfwerkzeug für Codeänderungen entwickelt, das jede Änderung gegen ihre Folgen im übrigen Bestand prüft, bevor sie übernommen wird.

Doppelter Code entsteht selten aus Absicht. Er entsteht, weil der bestehende Bestand im Moment des Schreibens nicht überblickt wird — und je schneller geschrieben wird, desto seltener wird er überblickt.

Wie stark der Wandel ist, hat das Unternehmen zuvor selbst untersucht — mit einer eigenen Erhebung zur Arbeitsteilung zwischen Mensch und Werkzeug.

Was die Auswertungen zur Codequalität zeigen

Der Auswertung von GitClear zufolge ergeben sich folgende Werte:

  • Der Anteil doppelter Codeblöcke stieg seit dem Jahr 2023 um 81 Prozent.
  • Der Anteil der Refaktorierung fiel von 21 Prozent im Jahr 2022 auf 3,8 Prozent.
  • Maschinell unterstützte Änderungen enthalten 1,7-mal so viele Befunde wie rein menschliche.
  • Bei Logik- und Korrektheitsfehlern liegt der Faktor bei 1,75.
  • Bei Sicherheitsbefunden beträgt er 1,57, bei Leistungsfragen 1,42.
  • Die Auswertung von GitClear stützt sich auf 623 Millionen Codeänderungen.

Doppelter Code ist keine Stilfrage

Wenn dieselbe Logik an mehreren Stellen steht, muss jede Korrektur mehrfach nachgezogen werden. Wird eine Stelle vergessen, entsteht ein Widerspruch, den kein Test findet, weil beide Varianten für sich genommen funktionieren. Genau das macht Duplikate teurer als jede andere Form technischer Schuld.

Refaktorierung ist das Gegenmittel, und ihr Rückgang von 21 auf 3,8 Prozent bedeutet, dass dieses Gegenmittel praktisch ausgesetzt wurde. Der Bestand wächst damit schneller, als er gepflegt wird — ein Missverhältnis, das sich nicht sofort zeigt, sondern erst bei der übernächsten Änderung. Wie sich diese Arbeitsteilung in der Praxis verschoben hat, beschreibt die Studie zur KI-gestützten Programmierung.

„Der Engpass hat sich verschoben. Code zu schreiben kostet fast nichts mehr, ihn zu verstehen kostet dasselbe wie immer — und genau dort staut es sich jetzt“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Der Faktor 1,7 sagt nichts über die Ursache

Dass maschinell unterstützte Änderungen mehr Befunde enthalten, heißt nicht, dass die Werkzeuge schlechter arbeiten als Menschen. Es heißt zunächst, dass mehr Änderungen entstehen und weniger davon vor der Übernahme gelesen werden. Ein Befund pro Änderung ist kein Qualitätsmaß, solange die Zahl der Änderungen selbst steigt.

Aussagekräftiger sind die Verhältnisse zwischen den Kategorien. Dass Logikfehler mit dem Faktor 1,75 stärker zunehmen als Leistungsfragen mit 1,42, verweist auf die Art der Fehler: Sie liegen in der Bedeutung, nicht in der Ausführung.

Was Entwicklungsteams jetzt tun können

Die Zahlen für das laufende Jahr wird GitClear voraussichtlich Anfang 2027 vorlegen. Bis dahin bleibt der Trend zu prüfen, nicht abzuwarten.

Praktisch heißt das: Jede übernommene Änderung braucht eine zweite Instanz, die sie gegen den bestehenden Bestand hält — ob Mensch oder Werkzeug. Wer nur prüft, ob eine Änderung für sich funktioniert, findet Duplikate grundsätzlich nicht. Sie entstehen zwischen den Dateien, nicht in einer davon.

 

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