Autor: Firma Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse

KI im Arbeitsschutz: Unterstützung statt Ersatz

KI im Arbeitsschutz: Unterstützung statt Ersatz

Künstliche Intelligenz kann Unternehmen dabei helfen, Gefährdungen schneller zu erkennen, Unterweisungen zu verbessern und Verwaltungsaufwand zu reduzieren. Fachwissen und menschliches Urteilsvermögen bleiben dabei unverzichtbar, betont die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM).

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt – und damit auch den Arbeitsschutz. Immer mehr Unternehmen prüfen, wie sich digitale Werkzeuge nutzen lassen, um Informationen schneller zu finden, Prozesse zu vereinfachen oder Beschäftigte besser zu schützen.

In großen Unternehmen sind KI-Anwendungen häufig schon im Einsatz. Auch für kleine und mittlere Betriebe eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten. "Insbesondere wenn es um Bürokratieabbau geht und darum, Unternehmen einen möglichst einen niederschwelligen Zugang zum Arbeitsschutz zu ermöglichen, sehe ich deutliches Potenzial", sagt Dorothee Hübner, Referentin für digitale Transformation bei der BG ETEM.

So können KI-Anwendungen beispielsweise dabei helfen, erste Informationen für Gefährdungsbeurteilungen zusammenzutragen, Unterweisungen verständlicher aufzubereiten oder relevante Präventionsangebote zu identifizieren.

Vertrauen ist gut – Kontrolle bleibt Pflicht

Trotz aller Chancen sollten Unternehmen die Grenzen der Technologie kennen. Sprachmodelle liefern häufig überzeugend formulierte Antworten, sind jedoch nicht immer korrekt. Fachliche Prüfung und menschliches Urteilsvermögen bleiben deshalb unverzichtbar.

"KI ist nicht in der Lage, immer die richtigen Antworten zu liefern. Die Ergebnisse klingen oft professionell, enthalten aber mitunter Fehler", sagt Hübner. Gerade bei sicherheitsrelevanten Fragestellungen könne das problematisch werden.

Besonders deutlich wird dies bei der Auswahl geeigneter Schutzmaßnahmen. Ob ein bestimmter Schutzhandschuh für einen Gefahrstoff geeignet ist oder welche Schutzmaßnahmen auf einer Baustelle erforderlich sind, lässt sich nicht allein auf Basis einer KI-Empfehlung entscheiden. "Man muss das Expertenwissen haben, zu beurteilen, ob das Ergebnis überhaupt Sinn ergibt", betont Hübner.

Problem kennen – dann Werkzeug wählen

Und: Nicht jede Aufgabe profitiert automatisch von künstlicher Intelligenz. "Am Anfang muss immer die Frage stehen: Welchen Prozess möchte ich eigentlich automatisieren oder vereinfachen – und was passiert anschließend mit dem Ergebnis?", sagt Hübner. Besonders sinnvoll kann der Einsatz dort sein, wo hoher organisatorischer Aufwand entsteht oder Risiken frühzeitig erkannt werden sollen. Unternehmen sollten sich dabei zunächst auf die größten Gefährdungen und die wichtigsten Handlungsfelder konzentrieren. "Wo drückt der Schuh am meisten? Wo liegen die größten Gefahren? Mit diesen Fragen sollten Betriebe starten", empfiehlt Hübner.

Angebote für Mitgliedsbetriebe

Die BG ETEM stellt Mitgliedsunternehmen über ihr Serviceportal "Meine BG ETEM" bereits maßgeschneiderte Informationen zur Verfügung – mit KI-Unterstützung. "Der Algorithmus berücksichtigt unter anderem Betriebsgröße, Branche und Erkenntnisse zum Unfallgeschehen, um passende Angebote vorzuschlagen“, erklärt Hübner. Anschließend schlägt die Anwendung dann etwa passende Seminare oder Medien vor. Die BG ETEM baut das unter https://meine.bgetem.de/login verfügbare Portal sukzessive weiter aus.

Darüber hinaus entwickelt die BG ETEM digitale Assistenten für die Gefährdungsbeurteilung. Ziel ist es, Unternehmen Schritt für Schritt durch den Prozess zu führen und den Dokumentationsaufwand zu reduzieren. Die Grundlage dafür bildet ein besonderer Wissensschatz: "Die Expertinnen und Experten der BG ETEM haben über Jahrzehnte Gefährdungen, Arbeitsprozesse und passende Schutzmaßnahmen systematisch erfasst. Dieses Fachwissen fließt in unsere Anwendungen ein", sagt Hübner. Letztlich entscheide nicht die Technologie über den Erfolg von KI im Arbeitsschutz, sondern ihr sinnvoller Einsatz: "Menschliche Erfahrung, Fachwissen und KI müssen zusammenspielen."

Podcast zum Thema

Wie Unternehmen KI im Arbeitsschutz sinnvoll einsetzen können, erläutert Dorothee Hübner in der aktuellen Folge von "Ganz sicher", dem Podcast der BG ETEM für Menschen mit Verantwortung. Der Podcast der BG ETEM ist auf der Webseite der BG ETEM unter der Adresse www.bgetem.de/ganzsicher zu finden. Ebenso bei Spotify, YouTube Music, Deezer, RTL+, Pocket Casts sowie Apple Podcasts. Zur Folge "Gewusst wie: KI im Arbeitsschutz" geht es hier.

Über Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse

Die BG ETEM ist die gesetzliche Unfallversicherung für rund vier Millionen Beschäftigte in gut 200.000 Mitgliedsbetrieben. Sie kümmert sich um Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in den Mitgliedsbetrieben sowie um Rehabilitation und Entschädigung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Für ihre Mitgliedsunternehmen übernimmt die BG ETEM die Haftung für die gesundheitlichen Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten gegenüber den Beschäftigten und stellt diese auch untereinander von der Haftung frei.

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Digitalisierung im Arbeitsschutz – Eine App für die Gefährdungsbeurteilung

Digitalisierung im Arbeitsschutz – Eine App für die Gefährdungsbeurteilung

Arbeitsunfälle können gerade in Kleinstbetreiben existenzgefährdend sein, wenn etwa Aufträge nicht bearbeitet werden können, weil ein wichtiger Beschäftigter ausfällt. Eine wichtige Grundlage für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ist die Gefährdungsbeurteilung. Um sie zu erstellen, nehmen Verantwortliche alle Arbeitsabläufe, Arbeitsmittel und -bedingungen unter die Lupe und analysieren potenzielle Gefahren. Im Anschluss gilt es dann, passende Schutzmaßnahmen für Beschäftigte abzuleiten.

Schnell und einfach per App

"Für einen leichten Einstieg in die Gefährdungsbeurteilung bietet die BG ETEM jetzt eine App speziell für Kleinstbetriebe an, in denen das Gefährdungspotenzial relativ niedrig ist", erläutert Frank Göller, Präventionsleiter der BG ETEM. "Das sind zum Beispiel", so Göller, "Augenoptik- und Hörakustik-Betriebe, Änderungsschneidereien oder Copyshops."

Unternehmerinnen und Unternehmer gelangen mit wenigen Klicks zu dem Angebot, das zu ihrer aktuellen Situation passt. Im Stil eines Fragebogens leitet die Anwendung in drei Teilen durch die Gefährdungsbeurteilung: Von der Arbeitsschutzorganisation über grundlegende und allgemeine Aspekte bis zum Thema "Büro- und Bildschirmarbeit".

Die App der BG ETEM gibt es nicht in den App-Stores. Wer sie nutzen möchte, gibt http://gbstart.bgetem.de in seinem Browser ein. Auf dem Smartphone kann sie zum Home-Bildschirm hinzugefügt werden und kann dann wie eine normale App bedient werden. Sie kann aber ebenso gut auch auf dem PC genutzt werden.

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BG ETEM setzt auf KI-Anwendung zur Automatisierung der Verarbeitung von Gewerbemeldungen

BG ETEM setzt auf KI-Anwendung zur Automatisierung der Verarbeitung von Gewerbemeldungen

Das dient der Effizienzsteigerung und Entlastung unserer Mitarbeitenden, indem administrative Routineaufgaben automatisiert und optimiert werden.

"Die Implementierung unserer neuen KI-Anwendung zur Verarbeitung von Gewerbemeldungen stellt einen wichtigen Schritt in Richtung einer digitalisierten und zukunftsfähigen Verwaltung dar. Unsere Mitglieder profitieren von schnelleren Bearbeitungszeiten und einer verbesserten Servicequalität," freut sich Jörg Botti, Hauptgeschäftsführer der BG ETEM. "Zugleich werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlastet", so Botti weiter, "sie können sich verstärkt auf komplexere und individuellere Aufgaben konzentrieren."

Das Hauptziel der neuen KI-Anwendung ist die Automatisierung und Optimierung der Verarbeitung von wöchentlich rund 2.000 An-, Um- und Abmeldungen von Gewerben. Die KI hilft dabei, die Gewerbemeldungen zu kategorisieren und relevante Informationen zu analysieren. Beispielsweise kann die KI feststellen, ob ein Unternehmen bereits existiert, welcher Branche es zuzuordnen ist und ob es von der Versicherungspflicht befreit ist. Diese automatisierten Prozesse beschleunigen nicht nur die Bearbeitung, sondern erhöhen auch die Genauigkeit und Zuverlässigkeit.

Whitepaper

Die BG ETEM wird weiterhin auf innovative Technologien setzen, um Verwaltungsprozesse zu optimieren und die Digitalisierung voranzutreiben. Eine detaillierte Übersicht über die Möglichkeiten und Vorteile der neuen KI-Anwendung sowie weitere Anwendungsbeispiele finden Sie in unserem Whitepaper "Künstliche Intelligenz: Chancen für die Verwaltung". Das Whitepaper kann unter https://www.bgetem.de/presse-aktuelles/themen-und-geschichten/whitepaper heruntergeladen werden.

Vier KI-Anwendungen in Produktion

Die KI-gestützte Bearbeitung von Gewerbemeldungen ist bereits die vierte KI-Anwendung, die bei der BG ETEM im produktiven Einsatz ist. Sie ergänzt KI-Lösungen zur Unterstützung in der Rehabilitation, der Prävention, der Regress-Abteilung. In Arbeit ist zurzeit eine weitere Anwendung. Sie soll die Dokumentation und Auswertung von Unfällen erleichtern. Die KI-Anwendungen der BG ETEM haben nationale und internationale Auszeichnungen erhalten, darunter der deutsche eGovernmentpreis.

"Bei aller Begeisterung für die Möglichkeiten von KI geht es aber nicht ohne Regeln", erläutert Botti. Er verweist darauf, dass letztlich der Mensch die Verantwortung trage und deshalb entscheiden müsse. "Es muss auch vollkommen transparent sein, auf welcher Quellenbasis eine KI Vorschläge macht und welche Prozesse dahinterstehen," bekräftigt Botti.

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