Juristisches Staatsexamen: Rheinland-Pfalz prüft als erstes Bundesland mit digitalen Gesetzestexten

Juristisches Staatsexamen: Rheinland-Pfalz prüft als erstes Bundesland mit digitalen Gesetzestexten

Wer in Rheinland-Pfalz das Zweite Staatsexamen schreibt, muss keine Koffer voller Gesetzessammlungen und Kommentare mehr in den Prüfungssaal tragen. Vom 5. bis 16. Oktober haben rund 200 Referendarinnen und Referendare in Mainz, Frankenthal und Trier ihre Klausuren erstmals im Regelbetrieb vollständig digital abgelegt. An acht Prüfungstagen schrieben sie jeweils fünf Stunden am Laptop. Die zugelassenen Gesetze und Kommentare von C.H.BECK standen ihnen dabei auf einem zweiten Bildschirm zur Verfügung. Rheinland-Pfalz ist damit das erste Bundesland, das digitale Hilfsmittel im Zweiten Juristischen Staatsexamen einführt. Möglich macht das ein gemeinsames Projekt des Landesprüfungsamts für Juristen Rheinland-Pfalz, des Verlags C.H.BECK und des Prüfungssoftware-Herstellers IQUL GmbH.

„Ein leistungsfähiger Rechtsstaat braucht gut ausgebildete Juristinnen und Juristen. Dazu gehört eine moderne Ausbildung, die der Arbeitsweise junger Menschen entspricht und sie realitätsnah auf das Arbeitsleben vorbereitet. […] Die volldigitale Prüfung bildet diese Praxis ab“, erklärt Justiz- und Verbraucherschutzminister Dr. Helmut Martin in der Mitteilung des Ministeriums vom 16. Oktober.

Von der Vorbereitung bis zur Klausur ohne Medienbruch

Bisher mussten sich Prüflinge die zugelassenen Werke kaufen oder ausleihen, auf dem neuesten Stand halten und am Prüfungstag mitbringen. Der Koffer voller gedruckter Texte entfällt ab jetzt in Rheinland-Pfalz. Schon seit ihrem Eintritt in den Vorbereitungsdienst im Mai 2025 konnten die Referendarinnen und Referendare die beck-eExamensbibliothek nutzen, mit genau den Inhalten, die ihnen in der Prüfung zur Verfügung stehen. Dabei konnten sie auch Feedback geben und im Rahmen des Pilotprojektes das neue Werkzeug mitgestalten. In der Klausur erscheinen dieselben Gesetzessammlungen und Kommentare in der Q-Exam® Prüfungssoftware von IQUL. Paragrafen lassen sich direkt aufrufen, Kommentarstellen über Stichwort- und Randnummernsuche finden. Am Prüfungstag erwartete niemanden eine neue Situation.

Zur Verfügung stehen alle zugelassenen Hilfsmittel, stets in der aktuellen, für alle einheitlichen Fassung. Jeder Prüfungsplatz besteht aus einem Laptop mit der Prüfungssoftware von IQUL und einem zweiten Bildschirm mit den digitalen Hilfsmitteln. Soft- und Hardware sind vollständig gehärtet, betrugs-, revisions- und rechtssicher. Die Geräte bleiben daher während der gesamten Klausur offline.

Eine Fassung, ein Rechtsstand, lückenlos dokumentiert

Alle Prüflinge arbeiten mit derselben, vom Prüfungsamt festgelegten Fassung. Unterschiedliche Auflagen, veraltete Ausgaben oder private Randbemerkungen spielen keine Rolle mehr. Das Prüfungsamt kann jederzeit belegen, welcher Text jedem Prüfling vorlag. Das gibt Aufgabenstellern und Korrektoren Sicherheit und beugt Anfechtungen wegen unklarer Rechtsstände vor.

„Wir wollen keine einfachere Prüfung, sondern eine realistischere. Die juristische Kompetenz soll weiterhin im Mittelpunkt stehen. […] KI-Elemente sind in dieser Anwendung ganz bewusst nicht enthalten“, betont Birgit Nennstiel, Präsidentin des Landesprüfungsamts für Juristen Rheinland-Pfalz, in der Mitteilung des Ministeriums.

Der letzte Baustein einer digitalen Prüfung

Rheinland-Pfalz gilt als Vorreiter bei der Digitalisierung der Juristischen Staatsprüfungen. Seit Oktober 2021 können die Klausuren im Zweiten Staatsexamen am Laptop geschrieben werden, Korrektur und Akteneinsicht laufen seit Jahren elektronisch. Mit den digitalen Hilfsmitteln ist nun der gesamte schriftliche Prüfungsprozess digital.

Hinter der Lösung steht ein interdisziplinäres Team aus Landesprüfungsamt, C.H.BECK und IQUL GmbH. C.H.BECK liefert die zugelassenen Fachinhalte über die beck-eExamensbibliothek, IQUL die Hardware, die Prüfungssoftware Q-Exam® und die sichere Integration der Hilfsmittel in die Prüfungssituation. Seit April 2025 haben die Partner das Verfahren technisch und organisatorisch erprobt, die Software zuvor ein Jahr lang gemeinsam entwickelt. Ein freiwilliges Probeexamen im Mai 2026 gab allen Beteiligten ein gutes Gefühl für die Prüfung.

„Das Projekt zeigt, was möglich ist, wenn Verwaltung und spezialisierte Partner an einem Strang ziehen. Jeder hat eingebracht, was er am besten kann. Dass Rheinland-Pfalz als erstes Bundesland diesen Schritt geht, ist ein Meilenstein für die juristische Ausbildung. Wir sind sehr stolz, als Innovationsführer diese neue Phase der juristischen E-Prüfung mit eingeleitet zu haben“, sagt Dr. Jonas vor dem Esche, Geschäftsführer der IQUL GmbH. Das Unternehmen wurde 2026 bereits als eines der 100 innovativsten Mittelständler Deutschlands von Christian Wulff, Bundespräsident a.D., ausgezeichnet.

Prof. Dr. Klaus Weber, Mitglied der Gesamtgeschäftsführung bei C.H.BECK, bewertet das erste digital durchgeführte und regulär gewertete Zweite Staatsexamen in beck-aktuell als Beginn einer „neuen Phase des juristischen Prüfungswesens in Deutschland“. Der digitale Prüfungsarbeitsplatz zeige, wie staatliche Prüfungen zeitgemäß, effizient und praxisnah gestaltet werden können.

Über die IQUL GmbH

Die IQUL GmbH mit Sitz in Bergisch Gladbach ist Full-Service-Anbieter für digitale Prüfungen und E-Assessment. Rund 130 Mitarbeitende entwickeln die Prüfungssoftware Q-Exam® und setzen Prüfungen für Ministerien, Kammern, Hochschulen und Verbände um: von der Software über die Hardware mit mehr als 3.000 eigenen Prüfungslaptops bis zum Personal vor Ort, auf Wunsch komplett als Exam-as-a-Service. Die Lösungen sind rechtssicher, DSGVO-konform und für Prüfungen jeder Größe skalierbar.

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